Mythos 6

MYTHOS 6

Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en sind zu­kunfts­wei­send, ihre För­de­rung nutzt der deut­schen Volks­wirt­schaft. Die heu­ti­gen Sub­ven­tio­nen sind die Grund­la­ge zu­künf­ti­ger Wett­be­werbs­vor­tei­le.

 

Fakt > Die für un­se­ren Wohl­stand re­le­van­ten Un­ter­neh­men und Wirt­schafts­zwei­ge kom­men sämt­lich ohne För­de­rung aus. Der These von zu­künf­ti­gen Wett­be­werbs­vor­tei­len durch Sub­ven­tio­nie­rung liegt die Un­ter­stel­lung zu­grun­de, dass an­de­re Län­der un­se­rem ver­meint­lich guten Bei­spiel fol­gen. Dabei ist die Grund­idee, dass am deut­schen Wesen die Welt ge­ne­sen möge, mehr als über­holt.

Warum?

Lang­fris­tig trag­fä­hi­ge Wett­be­werbs­vor­tei­le kann man sich nur im Wett­be­werb er­ar­bei­ten. Die­ser wird im Be­reich der Er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en aber na­he­zu voll­stän­dig aus­ge­schal­tet. Mit Markt­wirt­schaft hat die ge­gen­wär­ti­ge För­de­rung nichts ge­mein, sie ist der di­rek­te Weg in die Plan­wirt­schaft.

Auf Basis heute ver­füg­ba­rer Tech­ni­ken wer­den Prei­se und Men­gen­zie­le in einem im po­li­ti­schen Pro­zess unter maß­geb­li­chem Ein­fluss der Pro­du­zen­ten die­ser tech­ni­schen Lö­sun­gen fest­ge­legt.

Über­tra­gen auf die Au­to­mo­bil­in­dus­trie wäre dies so, als hätte man im Jahr 1945 die  Lo­sung aus­ge­ge­ben, dass bis zum Jahr 2000 jeder Deut­sche einen PKW haben müsse. Den da­mals tech­nisch zur Avant­gar­de ge­hö­ren­den Volks­wa­gen Käfer hätte man zum Stan­dard er­klärt und im Rah­men eines zwei­jähr­li­chen Kon­sul­ta­ti­ons­pro­zes­ses unter Be­tei­li­gung des Ver­ban­des der Au­to­mo­bil­in­dus­trie die Höhe der zur Ziel­er­rei­chung not­wen­di­gen Kauf­prä­mi­en fest­ge­setzt.

Im Er­geb­nis füh­ren wir viel­leicht immer noch Fahr­zeu­ge auf dem tech­ni­schem Stan­dard des VW Käfer. Mit Si­cher­heit hät­ten die Un­ter­neh­men die eine oder an­de­re In­no­va­ti­on ver­passt und mit ihren Fahr­zeu­gen nie­mals Welt­ruhm er­langt. Ein Wirt­schafts­wun­der und die spä­te­re Rolle als Ex­port­na­ti­on wäre uns wahr­schein­lich er­spart ge­blie­ben.

Glück­li­cher­wei­se ist man da­mals nicht so ver­fah­ren, son­dern hat sich für die Wirt­schafts­form der so­zia­len Markt­wirt­schaft ent­schie­den, die den Ide­en- und Im­puls­ge­ber “Wett­be­werb” er­folg­reich nutzt. Zum Vor­teil der Un­ter­neh­men, die sich in die­sem Wett­be­werb be­haup­te­ten und der Kon­su­men­ten, die aus einer Viel­zahl guter, güns­ti­ger, in­no­va­ti­ver und auch unter Um­welt­as­pek­ten immer bes­ser wer­den­der Pro­duk­te aus­wäh­len kön­nen.

Plan­wirt­schaft hin­ge­gen ver­mag keine in­no­va­ti­ven und dau­er­haft trag­fä­hi­gen tech­no­lo­gi­schen Lö­sun­gen her­vor­zu­brin­gen. Eines der bes­ten Er­zeug­nis­se deut­scher Plan­wirt­schaft ist der PKW „Tra­bant“.  Sein Er­folg auf den Welt­märk­ten blieb be­schei­den.

Denn der in­ter­na­tio­na­le Han­del folgt nicht den Wün­schen zen­tra­ler Pla­nungs­stel­len. Er folgt der Logik des kom­pa­ra­ti­ven Vor­teils. Im Er­geb­nis spe­zia­li­sie­ren sich Län­der auf die Pro­duk­ti­on der­je­ni­gen Güter, für die sie re­la­tiv zu an­de­ren am bes­ten ge­rüs­tet sind.

Die­ses Prin­zip lässt sich mit Sub­ven­tio­nen nicht lang­fris­tig außer Kraft set­zen – und der zum Schei­tern ver­ur­teil­te Ver­such ist teuer.

Wel­che Pro­duk­te zu­künf­tig nach­ge­fragt und wel­che Wirt­schafts­zwei­ge zu­künf­tig flo­rie­ren wer­den, kann nicht per För­der­ge­setz ent­schie­den wer­den – schon gar nicht, wenn das Ge­setz von des­sen Pro­fi­teu­ren stark be­ein­flusst wird.

Den Han­dels­sta­tis­ti­ken und dem ge­sun­den Men­schen­ver­stand zu­fol­ge, hat Deutsch­land einen kom­pa­ra­ti­ven Vor­teil bei der ka­pi­tal- und wis­sens­in­ten­si­ven Pro­duk­ti­on.

Einen Dy­na­mo an einen Mast zu schrau­ben, fällt nur be­dingt dar­un­ter. Ir­gend­wann wird man dies an­dern­orts eben­so­gut und bil­li­ger kön­nen.

Die Mi­se­re der deut­schen Pho­to­vol­ta­ik-In­dus­trie, die ra­pi­de in­ter­na­tio­na­le Markt­an­tei­le ver­liert und meh­re­re In­sol­ven­zen zu ver­kraf­ten hat,  ist mitt­ler­wei­le of­fen­kun­dig. Die hie­si­ge Sub­ven­ti­ons­pra­xis ist der Haupt­grund für den Ver­lust an Wett­be­werbs­fä­hig­keit die­ser Bran­che.  Die sich hier ab­zeich­nen­de  Son­nen­fins­ter­nis ist Vor­bo­te des­sen, was ir­gend­wann auch in den an­de­ren nur durch Sub­ven­ti­on künst­lich hoch­ge­päp­pel­ten Spar­ten der Er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en zu er­war­ten ist.

Lang­fris­tig müs­sen sich Un­ter­neh­men im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb be­haup­ten. Dazu müs­sen deut­sche Un­ter­neh­men, deren Vor­teil nun­mal in der In­no­va­ti­ons­fä­hig­keit und nicht bei den Ar­beits­kos­ten liegt, an der Spit­ze der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung sein. Ge­ra­de dazu neh­men ihnen die Sub­ven­tio­nen den An­reiz. Die deut­schen Pho­to­vol­ta­i­k­un­ter­neh­men in­ves­tier­ten nur 2-3 % ihres Um­sat­zes in For­schung und Ent­wick­lung, in der wett­be­werbs­in­ten­si­ven Au­to­mo­bil­in­dus­trie be­tra­gen diese Aus­ga­ben durch­schnitt­lich 6 % und inder phar­ma­zeu­ti­schen In­dus­trie rund 9 % vom Um­satz.  Die Sub­ven­tio­nen ma­chen träge.  Doch schlim­mer noch – sie lo­cken die Un­ter­neh­men auf die fal­sche Fähr­te:

Der Markt für So­lar­ther­mie (die Warm­was­ser­ge­win­nung aus Son­nen­strah­len), für die in Deutsch­land ein viel grö­ße­res öko­no­mi­sches und phy­si­ka­li­sches Po­ten­ti­al be­steht, ist durch die mas­si­ve Sub­ven­tio­nie­rung der Pho­to­vol­ta­ik am Wachs­tum ge­hin­dert wor­den.

Die Sub­ven­tio­nen des EEG haben den Wett­be­werb um die knap­pe Res­sour­ce „Dach­flä­che“ zu­guns­ten der in öko­lo­gi­scher und öko­no­mi­scher Hin­sicht schlech­te­ren tech­no­lo­gi­schen Lö­sung ver­zerrt. Der Platz an der Sonne ge­hört nicht der unter den hie­si­gen Be­din­gun­gen bes­ten, son­dern der po­li­tisch am bes­ten ver­tre­te­nen Tech­no­lo­gie.

Oft­mals wird vor­ge­bracht, dass Er­neu­er­ba­re En­er­gi­en eine An­schub­fi­nan­zie­rung be­nö­ti­gen, um ef­fi­zi­ent(er) zu wer­den, damit sie spä­ter am Markt be­ste­hen kön­nen. Sol­che Lern­kur­ven­ef­fek­te sind aber auch in vie­len an­de­ren In­dus­tri­en zu be­ob­ach­ten und für sich ge­nom­men kein Sub­ven­ti­ons­grund.

Even­tu­el­le Lern­kur­ven­ef­fek­te kön­nen je­den­falls nicht recht­fer­ti­gen, unser gan­zes Land ge­wis­ser­ma­ßen als Ver­suchs­la­bor zu be­nut­zen und mit gro­ßen Men­gen von zu­nächst in­ef­fi­zi­en­ten Tech­no­lo­gi­en zu über­zie­hen.

Der Ef­fekt wäre, dass man in an­de­ren Län­dern von den hier auf Kos­ten des Steur­zah­lers/Kon­su­men­ten ge­mach­ten Er­fah­run­gen pro­fi­tiert und sich teure Irr­we­ge – und die Ver­schan­de­lung des ei­ge­nen Lan­des – er­spart.

Um auch mit er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en künf­ti­gen Wohl­stand zu si­chern, braucht man ein Sys­tem, das die Kräf­te des Wett­be­werbs nutzt und dazu bei­trägt, die bes­ten und kos­ten­güns­ti­gen Tech­no­lo­gi­en zu fin­den und an der rich­ti­gen Stel­le ein­zu­set­zen. Das heu­ti­ge För­der­sys­tem läuft dem voll­stän­dig zu­wi­der.

For­schungs- und Pro­duk­ti­ons­ent­schei­dun­gen der In­dus­trie wer­den zu­guns­ten un­ter­le­ge­ner Tech­no­lo­gi­en ver­zerrt. Nicht der Wett­be­werb um die beste Idee, son­dern das von Lob­bies und Bü­ro­kra­ten aus­ge­kun­gel­te Ge­setz be­stimmt, wel­che tech­no­lo­gi­sche Lö­sung zum Ein­satz kommt und wel­cher viel­leicht ge­nia­le Plan in der Schub­la­de ver­bleibt.

Die För­de­rung von spe­zi­fi­schen Tech­no­lo­gi­en birgt stets die Ge­fahr, dass die For­schungs- und Pro­duk­ti­ons­ent­schei­dun­gen der In­dus­trie zu­guns­ten un­ter­le­ge­ner Tech­no­lo­gi­en ver­zerrt wer­den. Nicht die Kon­kur­renz der Er­fin­der und Un­ter­neh­mer, son­dern die Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers be­stimmt, wel­ches Ver­fah­ren zur re­ge­ne­ra­ti­ven En­er­gie­ge­win­nung Vor­rang haben soll. Das ist ris­kant, denn der ge­gen­wär­tig ra­sche Fort­schritt der Tech­nik in vie­len Be­rei­chen der Ge­win­nung er­neu­er­ba­rer En­er­gi­en lässt es als rat­sam er­schei­nen, nicht vor­ei­lig auf ei­ni­ge be­stimm­te Tech­no­lo­gi­en zu Las­ten An­de­rer zu set­zen.

wis­sen­schaft­li­cher Bei­rat am Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um (2011)

Ge­ra­de die Er­fah­rung mit der Kern­ener­gie ver­deut­licht die Ge­fah­ren des Ver­suchs einer staat­li­chen Steue­rung der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung. Im Wett­be­werb hätte sich diese Tech­no­lo­gie man­gels Ver­si­cher­bar­keit ihrer Ri­si­ken ver­mut­lich nie durch­ge­setzt.

In einer der heu­ti­gen Be­geis­te­rung für Wind­kraft und Pho­to­vol­ta­ik & Co. ver­gleich­ba­ren Eu­pho­rie glaub­ten die Po­li­ti­ker der fünf­zi­ger und sech­zi­ger Jahre ein­hel­lig, dass die Zu­kunft der Atom­kraft ge­hö­re. Man müsse sie nur an­fangs genug för­dern. Atom­mi­nis­ter Straußträum­te von Atom­au­tos und Atom­flug­zeu­gen und plan­te, dass zu­künf­tig 80 Pro­zent des Stroms aus Ato­m­ern­er­gie kom­men soll­ten.  In den 1980er Jah­ren er­reich­te der An­teil der Atom­kraft an der Strom­ver­sor­gung mit 32 Pro­zent ihren Spit­zen­wert.

Zen­tra­le staat­li­che Pla­nungs­stel­len kön­nen nicht vor­her­se­hen, wel­che Ideen ri­si­ko­freu­di­ge Un­ter­neh­mer und fin­di­ge Wis­sen­schaft­ler in der Zu­kunft haben wer­den. Genau wie die Atom­po­li­tik der 1950er Jahre stellt die ge­gen­wär­ti­ge Er­neu­er­ba­ren-Po­li­tik eine “An­ma­ßung von Wis­sen” (F. A. v. Hayek) dar.

Ende des 19.  Jahr­hun­derts glaub­te man, die eu­ro­päi­schen Me­tro­po­len wür­den an­ge­sichts des zu­neh­men­den Kut­schen­auf­kom­mens bald im Pfer­de­mist ver­sin­ken – mit Ent­de­ckung der Elek­tri­zi­tät und Ein­füh­rung der Stra­ßen­bahn kam es dann an­ders.

Der ra­sche Fort­schritt der Tech­nik in un­se­rer mo­der­nen Zeit macht diese An­ma­ßung von Wis­sen be­son­ders ge­fähr­lich. Es be­steht die Ge­fahr, dass un­se­re Volks­wirt­schaft ins Ab­seits gerät und den tech­no­lo­gi­schen An­schluss ver­passt.

Auch hier­für gibt es be­reits erste An­zei­chen im Be­reich der So­lar­in­dus­trie. Die chi­ne­si­schen Wett­be­wer­ber haben den deut­schen Her­stel­len nicht nur bei den Kos­ten klar den Rang ab­ge­lau­fen, son­dern auch tech­no­lo­gisch mitt­ler­wei­le die Nase vorn: den  neu­es­ten Wir­kungs­grad­re­kord hält die Firma Sun­tech. An­statt sich um tech­no­lo­gi­schen An­schluss zu be­mü­hen, kon­zen­trie­ren die deut­schen Un­ter­neh­men ihre An­stren­gun­gen auf die Be­ein­flus­sung von Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit zwecks Ver­tei­di­gung ihrer Ver­gü­tungs­sät­ze.

Fazit: Die heu­ti­gen Sub­ven­tio­nen sind in kei­ner Weise ge­eig­net, künf­ti­gen Wohl­stand zu si­chern. Im Ge­gen­teil – sie hem­men die In­no­va­ti­ons­kraft und lei­ten die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung auf fal­sche Fähr­ten.

 

Die Kraft der Ver­nunft legt nahe,

  • die För­de­run­gen tech­no­lo­gie­neu­tral an­zu­le­gen,
  • die För­der­wir­kun­gen re­gel­mä­ßig zu über­prü­fen,
  • bei die­ser Über­prü­fung die Böcke nicht zu Gärt­nern zu ma­chen